Spaltpilz Euro

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Erstellt am Donnerstag, 28. Februar 2013 Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 14. Mai 2013

Aktien-Strategie

Mit klar gegen Europa (und vor allem Deutschland) gerichteten Parolen haben Silvio Berlusconi sowie Beppe Grillo bei der Wahl in Italien ausreichend Stimmen erreicht, um das Land politisch lahm zu legen. Das Ergebnis zeigt eindrucksvoll, dass der Euro sein Hauptziel verfehlt hat. Die gemeinsame Währung führt nicht zu einer Annäherung der Staaten, sondern wird immer mehr zu einem Spaltpilz für den Kontinent. Die Wahl belegt auch eindrucksvoll die unterschiedlichen Mentalitäten in Europa. Clowns wie Dieter Hallervorden oder Otto Walkes hätten in Deutschland kaum Chancen auf einen Einzug ins Parlament. Rund ein Viertel der Italiener wünschen sich aber einen Komiker an der Spitze des Staates, fast 30 Prozent würden einen verurteilten Straftäter als Regierungschef akzeptieren. In Deutschland treten Minister zurück, wenn sie in ihrer Doktorarbeit nicht sauber gearbeitet haben.

Nervosität zurück

Italien war schon immer für politische Eskapaden bekannt. Die Zeit seit dem zweiten Weltkrieg war durchzogen von einer Vielzahl an Regierungskrisen. Früher konnte uns Deutschen das egal sein. Mit der Einführung des Euros haben wir die Probleme quasi importiert. Die sensiblen Anleihemärkte reagierten sofort, als sich das Patt abzeichnete. Nicht nur die Zinsen für italienische Anleihen zogen kräftig an, auch andere Problemländer müssen jetzt wieder mehr für ihre Schulden bezahlen. Die Euro-Krise spitzt sich wieder zu. Jetzt bleibt zu hoffen, dass sich die gemäßigten Kräfte durchsetzen und es am Ende doch noch zu tragfähigen Kompromissen kommt. Vielleicht folgt Italien ja auch dem griechischen Beispiel: Hier war 2012 auch eine zweite Wahl innerhalb kurzer Zeit nötig, um eine stabile Mehrheit zu finden. Einen Vorteil hat die Unsicherheit allerdings auch gebracht: Der Euro gab kräftig nach, was die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft erhöht.

Fragwürdige Alternative

Besonders irritierend empfand ich die teils unverhohlene Freude über das schwache Abschneiden Mario Montis in einigen deutschen Medien. Sicherlich hatte die Technokraten-Regierung Defizite bei der demokratischen Legitimierung. Ich bezweifle aber, dass der Tausch gegen ein sauber gewähltes Chaoten-Kabinett ein Grund zum Jubeln ist. Auch die Nationalsozialisten erzielten gegen Ende der Weimarer Republik große Wahlerfolge. Die anschließende Machtübernahme und der Sturz des verhassten Systems löste in breiten Teilen der Bevölkerung Begeisterung aus. Die Freude währte allerdings nur kurze Zeit.

In diesem Sinne

Wolfgang Braun
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